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Interferenzstrom

Im Frühjahr 2000 berichteten die Medien ausführlich über eine Behandlungsmethode, mit der erfolgreich eine Schuppenflechte an Händen und Füßen (Psoriasis palmoplantaris) behandelt wurde: Interferenzstrom (IFS). Die streng wissenschaftlich abgesicherte Studie wurde damals in der Hautklinik der Uni Mannheim durchgeführt. Die Ärzte empfahlen nach langjähriger Erfahrung die IFS-Therapie für die Psoriasis an Händen und Füßen. Interferenzstrom wirke zwar auch an anderen Körperstellen. Die Methode sei dort aber den üblichen Psoriasis-Therapien nicht überlegen und außerdem zu umständlich. Danach gab es mehrere Anbieter für therapeutische Interferenzstromgeräte. Alle haben aber im Laufe der Jahre die Produktion wieder eingestellt. Geräte sind jetzt nur noch gebraucht zu haben.

Weil dies Methode rechtlich nicht geschützt war, haben sich die Geräte der verschiedenen Anbieter technisch unterschieden. Es konnte nie geklärt werden, ob und wie sich diese Unterschiede für den Abheileffekt der Psoriasis auswirken. Nur diejenigen Anbieter durften sich auf die erfolgreiche Studie berufen, deren Geräte technisch 1:1 die gleichen Werte vorweisen, wie die in der klinischen Studie benutzten.

Mit Interferenzstrom wurden zwölf Patienten behandelt, die seit mindestens einem Jahr schwer an den Händen befallen waren und durch übliche Mittel nicht erscheinungsfrei wurden. Sie mussten täglich morgens und abends jeweils sechs Minuten ihre Hände in ein Wasserbad halten. Das wurde an zwei Elektroden mit Interferenzstrom angeschlossen. Die Patienten spürten dabei ein schwaches Kribbeln auf der Haut. Nach drei Monaten zeigte sich nur bei einem Patienten keine Wirkung. Bei den anderen elf wurde das Ergebnis mit "deutlich abgeheilt" oder "deutlich reduziert" angegeben. Dieses Therapieergebnis hätte durch eine Langzeitstudie an einer größeren Patientengruppe abgesichert werden müssen, weil natürlich 12 Testpersonen keine seriöse Aussage zulassen. Aber aus finanziellen Gründen ist es dazu nie mehr gekommen.

Die Fachleute gingen nach langjähriger Erfahrung davon aus, dass 40 bis 50 Prozent der Patienten mit einer Psoriasis palmoplantaris durch die Interferenzstrom-Therapie erscheinungsfrei werden können. Wir haben in 2016 unser Gerät an einen interessierten Patienten verkauft, bei dem die Therapie dann ebenfalls sehr erfolgreich war. Deshalb ist es mehr als bedauerlich, dass eine so nebenwirkungsfreie Therapieform nicht weiterentwickelt und z.B. an Krankenhäusern eingesetzt wurde.

In Karlsruhe wurde die Technik am Institut für Medizintechnik und Biophysikund in Konkurrenz dazu am Institut für Biomedizinische Technik erforscht. Man wusste schon, dass menschliche Zellen auf niederfrequenten Strom reagieren. Die Techniker wollten deshalb herausbekommen, unter welchen technischen Bedingungen Interferenzstrom erfolgreich auf die Schuppenflechte wirkt. Beide Institute kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen und entwickelten entsprechend verschiedene Geräte. Die Patienten der klinischen Studie wurden nur  mit dem Gerät des Instituts für Medizintechnik und Biophysik behandelt.

Interferenzstrom sorgt dafür, dass die Hautzellen mehr Botenmoleküle cAMP (cyclisches Adenosin-monophosphat) bilden. Das cAMP sendet an die Haut Signale aus, sich weniger zu teilen, Die überstürzte Teilung der Oberhautzellen beginnt sich zu normalisieren. Die Schuppenflechte heilt ab. Es wird vermutet, dass durch den Interferenzstrom der Haut außerdem signalisiert wird, weniger Entzündungen zu bilden.

Die Ärzte haben damals symptomfreie Pausen bis zu einem Jahr beobachtet. Sie bezeichneten die Therapie als völlig ungefährlich. Außerdem könne sie immer wieder angewandt werden. Lediglich Patienten mit einem Herzschritt-Macher waren von der IFS-Therapie ausgeschlossen.

Aber es ist nie zu einer Langzeituntersuchung gekommen, weil sich kein Geldgeber aus der Industrie dafür gefunden hat. Unabhängige Forschung ist selten geworden an den Unis. So konnte nicht herausgefunden werden, ob sich die Patienten an die IFS-Therapie gewöhnen, wenn sie sie über längere Zeit anwenden. Nützt dann eine höhere Dosis noch etwas oder schlägt die Wirkung sogar um? Man hat ebenfalls nie untersucht, ob man bei der IFS-Therapie beeinflussen kann, wie lange ein Patient erscheinungsfrei ist.

Interessierte können sich heutzutage so ein Gerät nur noch gebraucht besorgen. Neu zu kaufen gibt es das nach unserer Information nicht mehr. Vorher sollten Sie sich mit Ihrem Hautarzt beraten. Unsere Selbsthilfegruppe hat sich zweimal ausführlich über diese Therapie informiert. Der „Entdecker“, Professor Dertinger vom Forschungszentrum Karlsruhe war bei uns in Berlin und hat uns die Wirkungsweise erklärt.

Angeboten wurden:

  1. NEPTUN-SL® der Firma Nemectron GmbH.Das Gerät entspricht technisch genau (1:1) den Geräten, mit denen die Studie an Patienten erfolgreich durchgeführt wurde. Der Hersteller empfahl es nicht nur für Hände und Füße, sondern auch bei großflächigem Pso-Befall am ganzen Körper. Darüber hinaus sollte es verwendet werden können z. B. für die allgemeine Schmerzbehandlung im Wirbelsäulen- und Gelenkbereich. Das Gerät kostete in 2001 knapp 1.700 Euro.
  1. IONTO PSO® der Firma IONTO-COMED GmbH. Das Gerät wurde an dem konkurrierenden Institut für Biomedizinische Technik der Uni Karlsruhe entwickelt. Es unterscheidet sich technisch von dem ersten Gerät. Eine Studie mit Patienten gab es nicht. Es wurden, neben den Elektroden für Hände und Füße, auch solche für andere Körperpartien und den ganzen Körper angeboten. Der Hersteller empfahl das Gerät zusätzlich für eine „allgemeine Schmerzbehandlung“. Es kostete in 2001 rund 720 Euro.
  1. CellVAS® psoriasis“ kam 2005 auf dem Markt. Nach Angaben der damaligen Vertriebsfirma entspricht es technisch den Geräten, mit denen die klinische Studie erfolgreich durchgeführt wurde. Es kostete in 2006 gut 785 €

Dr. med. Arnim Philipp hat vermutlich die längste praktische Erfahrung mit dieser Therapie. Er bedauerte, dass diese „einfache und nebenwirkungsarme Therapieform in Vergessenheit“ geraten ist. Philip ist davon überzeugt, dass Interferenzstrom bei Psoriasis an Händen und Füßen wirkt (PSO aktuell 3/2005).

Wir haben in unserer langjährigen Erfahrung folgende Faustregel entwickelt: Nicht jeder Psoriatiker spricht gleich gut auf eine Therapie oder ein Medikament an. Was dem einen hilft, kann bei dem anderen mehr oder weniger wirkungslos bleiben. Eine Behandlung, die nach sechs Wochen nicht erste sichtbare Erfolge erzielt, ist vermutlich für den Patienten nicht geeignet. Auch längeres Probieren führt dann selten zum Therapieerfolg. Moderne, innerliche wirkende Medikamente, wirken heutzutage (2018) bei deutlich mehr Patienten besser und schneller. 

Trotzdem: Die Schuppenflechte an Händen und Füßen ist immer noch schwer zu behandeln. Das Medikament Otezla® (Wirkstoff Apremilast) kann einige gute Erfolge nachweisen. Auch von den neueren Biologika (IL-17- und IL 23-Hemmern) ist möglicherweise eine deutliche Besserung zu erwarten. 

Weitere Informationen über die Interferenzstrom-Therapie finden Sie im Psoriasis-Netz

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