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Psyche

Psyche und Psoriasis

Mit der Krankheit leben, ohne zu verzweifeln

Viele Psoriatiker berichten, ihre Krankheit sei erstmals ausgebrochen, als sie sich erheblich psychisch belastet gefühlt hätten. Andere beobachten immer dann neue Schübe auf ihrer Haut, wenn sie negativem Stress ausgesetzt sind. Deshalb wird Menschen mit Schuppenflechte immer wieder geraten, Entspannungstechniken zu erlernen. Damit könnten sie ihre Krankheit lindern oder neue Schübe verhindern. Inzwischen gibt es dazu auch andere Meinungen: Psoriatiker weisen darauf hin, dass sie erst dann psychische Probleme bekommen, wenn ihre Schuppenflechte deutlich in Erscheinung tritt. Sie leiden unter ihrer Krankheit, schämen sich damit in die Öffentlichkeit zu gehen und meiden den Kontakt mit anderen. Das aber bedeutet, dass Psoriatiker sich Hilfe holen sollten, um zu lernen, mit dieser Krankheit zu leben. Das kann der Erfahrungsaustausch mit Gleichbetroffenen sein oder eine Therapie bei einem Psychologen. Doch man sollte sich von vornherein darüber klar sein, dass es niemanden gibt, der allein durch Entspannung oder allein durch psychologische Betreuung eine Schuppenflechte losgeworden ist. Aber es können sich die persönliche Einstellung und der Umgang mit der eigenen Krankheit verändern. Man lernt mit der Psoriasis zu leben ohne daran zu verzweifeln. Depressionen werden inzwischen als Begleiterkrankung der Psoriasis angesehen – erzeugt durch Dauer-Stress wegen der eingeschränkten Lebensqualität.
 
Eine Schuppenflechte kann durch psychische Ursachen ausgelöst werden. Aber können wir wirklich unser Gefühlsleben so beeinflussen, dass sie nicht mehr ausbrechen muss? Es ist bewiesen, dass Gefühle, Erwartungen oder seelische Spannungen das körpereigene Abwehrsystem beeinflussen. Unsere Gesundheit bzw. der Verlauf von Krankheiten hängt wesentlich davon ab, wie wohl wir uns fühlen. Der Körper reagiert auf Gefühle. Das können negative sein wie Stress, Einsamkeit, Trennung, Tod eines Partners, Depressionen, aber auch positive wie Lebensziele, Glück oder Liebe. Wer dem Leben positiv gegenübersteht, wird nicht so schnell krank oder schneller wieder gesund. Die Gemütsverfassungen des Gehirns werden durch Botenstoffe an das Immunsystem gemeldet. Das heißt, eigentlich kann jeder seine Gesundheit in gewissen Grenzen beeinflussen. Leider aber ist es noch niemanden gelungen, allein durch positives Denken oder Anti-Stress Training eine chronische Krankheit wie die Psoriasis deutlich zurückzudrängen, geschweige denn zu heilen.
 
Inzwischen weiß man, wie stark Psoriatiker in ihrem Leben eingeschränkt sind und wie erheblich sie unter ihrer Krankheit leiden. 
Zu den psychischen Belastungen gehören vor allem
• das Gefühl, von der Umwelt gemieden zu werden, 
• keinen Partner zu finden, 
• beruflich oder schulisch eingeschränkt zu sein, 
• Freizeit- und andere soziale Aktivitäten zu meiden, 
• als unsauber zu gelten wegen der vielen Schuppen auf der Kleidung, 
• zu Hause lange Behandlungszeiten zu benötigen, 
• sich zu schämen oder etwas peinlich zu finden, 
• generell unsicherer und weniger selbstbewusst zu sein. 
 
Mithilfe eines Fragebogens kann der Arzt inzwischen in jedem einzelnen Fall bestimmen, in welchem Maße ein Psoriasis-Patient in seiner Lebensqualität eingeschränkt ist. Ist dieser Wert größer als 10, soll die Therapie auf innerliche Medikamente umgestellt werden.
 
Psoriasis ist keine direkt lebensbedrohliche Krankheit, aber es wird vermutet, dass Psoriatiker wegen der extremen psychischen Belastungen früher sterben. Auf jeden Fall schränkt eine Psoriasis das Leben vieler erheblich ein. Manche verzweifeln und einige zerbrechen an dieser Krankheit. Fast alle werden in ihrem alltäglichen Leben deutlich beeinflusst. Sehr viele stellen ihre Bekleidung darauf ein. Viele leiden unter Schlafstörungen, auch wegen des Juckreizes. Andere haben ihre Aktivitäten eingeschränkt und jeder Vierte hat schon an Selbstmord gedacht. Psoriatiker leiden außerdem l ä n g e r an ihrer Krankheit, als andere schwer Erkrankte, denn die Psoriasis tritt meist schon früher auf als typische Alterserkrankungen. 
 
Folgen dieser Belastung können sein:  
• Alkoholismus, 
• Depression, 
• Selbstmord, 
• Fettleibigkeit. 
 
Aber wer es schafft, seine Psyche zu stärken, sich Lebensziele zu setzen und zur Ruhe zu kommen, bewirkt bei sich selbst eine positive Grundstimmung. Es kommt darauf an, sich nicht selbst verrückt zu machen, nicht ständig vor dem Spiegel zu stehen und an der Psoriasis zu verzweifeln. Wir sollten lernen, mit unserer Schuppenflechte verantwortlich zu leben, d.h. ihr die Zeit einzuräumen, die sie uns fürs Einschmieren oder Bestrahlen abverlangt. Wir sollten uns als mündige Patienten außerdem darum kümmern, welche Behandlungen möglich sind und welche neuen Erkenntnisse es gibt. Vor allem sollten wir die Psoriasis nicht permanent vor anderen verstecken, sondern sie als „normale Haut-Erkrankung“ erklären. 
 
Erfahrungsgemäß können die meisten Menschen in unserer Umwelt durchaus mit Hautkrankheiten umgehen, auch wenn wir selbst immer denken, sie müssten sich doch eigentlich vor uns ekeln. Wenn wir unsere so offensichtliche Krankheit nicht verdrängen, sondern sie an uns selbst akzeptieren, haben wir einen ersten Schritt getan, um unsere eigene Seele zu stärken! Das ist aber leichter gesagt, als getan! 
 
Lange Jahre haben Sozialmediziner behauptet, jede Krankheit wäre nur der körperliche Ausdruck psychischer Probleme. Es wurde gefragt, was die Schuppenflechte uns in der "Körpersprache" sagen will. So entstand der Spruch, die „Haut als Spiegel der Seele“ zu verstehen. Mit seiner Haut grenzt sich der Mensch der Umwelt gegenüber ab und schützt sich vor Verletzungen. Seine Haut berührt andere und nimmt Kontakt auf. Auf der Haut spüren wir Zärtlichkeit bis hin zu erotischen Gefühlen. 
 
Damit wurde das Bild geprägt von dem Psoriatiker, der in Wirklichkeit Probleme hat, sich anderen gegenüber zu öffnen und auf Abstand geht. Eine Haut, die zur übersteigerten Hornbildung neigt, bildet einen Panzer, wie ihn Tiere haben. Das soll bedeuten, Psoriatiker panzern sich ein und grenzen sich in jeder Hinsicht ab. Die Schuppenflechte wäre danach ein "Schutzwall", ein "Panzer aus sieben Häuten" bzw. eine "harte Schale", damit sich der Psoriatiker nicht anderen Menschen gegenüber öffnen muss. Bleibt der Kuss oder die Zärtlichkeit aus, kann man sich das mit der unreinen Haut erklären und muss nicht bei sich selbst suchen. Die Schuppenflechte schützt vor Liebe, Zuwendung, Kontakt, aber auch Verletzung durch andere. Die Seele wird vom Leben ausgeschlossen. Offene, blutige Stellen führen dazu, sich extrem abgrenzen zu müssen. Dafür hat man sich aber nun körperlich "geöffnet" und "verletzt". 
 
Psoriatiker haben (und sind) eine "empfindliche Haut". Ihre Haut verlangt danach, berührt oder gestreichelt zu werden. Ist niemand da, wird das Verlangen durch Kratzen befriedigt. Dadurch wird die Haut doch noch beachtet und berührt, wenn auch negativ. Menschen mit Schuppenflechte haben angeblich Angst davor verletzt zu werden und sind in ihrem Inneren sehr empfindlich. Sie verleugnen ihre Gefühle und nehmen ihr inneres Erleben nicht wahr. Die Probleme soll die Haut lösen. 
 
Es gibt aber auch andere Erklärungen: Der Juckreiz könnte darauf hinweisen, dass die Psoriatiker etwas "kratzt", was sie bisher übersehen haben. Menschen mit Schuppenflechte sollten deshalb solange in ihrem Bewusstsein kratzen, bis sie gefunden haben, was sie stört. 
 
Das sind nur einige Beispiele dafür, wie der Schuppenflechte bestimmte psychologische Probleme zugeordnet werden. Wir sollten sie lediglich als Anstoß nehmen, über uns selbst nachzudenken. Wer wirklich etwas über sich erfahren will, sollte sich fragen, was er mit dieser Krankheit gewinnt. Was bringt mir die Schuppenflechte? Was erlaubt sie mir zu tun, was mir sonst nie gestattet sein würde? Zum Beispiel könnte die Psoriasis die Entschuldigung dafür sein, dass ich Zeit für mich selbst brauche. Die Haut löst das, indem sie verlangt ausgiebig eingeschmiert zu werden oder stundenlang in der Sonne zu liegen. Die Psoriasis könnte der offizielle Grund dafür sein, dass ich lieber zu Hause etwas unternehme, anstatt regelmäßig auszugehen. Schließlich schäme ich mich in der Öffentlichkeit. Jeder wird seine eigenen, ganz individuellen Antworten darauf finden. So kommt man vielleicht der Bedeutung seiner Psoriasis auf die Schliche. 
 
Seien Sie stets skeptisch, wenn Ihnen jemand ein Erklärungsmuster anbietet, das für jeden Psoriatiker gelten soll. Manchmal erkennen wir uns darin wieder, manchmal trifft es überhaupt nicht zu. Solche Deutungen nehmen uns nicht die Arbeit ab, für uns selbst herausfinden, wie und in welchen Bereichen wir psychische Probleme angehen sollten. Wer es schafft, nicht mehr (nur) unter seiner Schuppenflechte zu leiden, hat gute Chancen, mit ihr lange und in Frieden zu leben. Die Selbsthilfegruppe hilft Ihnen dabei oder ein guter Psychotherapeut. 
 
Eine Psychotherapie sollte man nicht von außen „verordnet“ bekommen. Die typischen Pflicht-Gespräche beim Psychologen während des Klinikaufenthalts sind meist nicht sehr ergiebig. Sie selbst müssen sich innerlich klar entschieden haben, dass das jetzt der richtige Weg für Sie ist! Nur dann sind Sie auch bereit, psychologische Ratschläge anzunehmen. 
 
Es gibt viele verschiedene Richtungen und Ansätze in der Psychologie. Bevor Sie sich für eine entscheiden, sollten Sie sich darüber gut informieren. Bei Ihrem Hausarzt oder ihrem Dermatologen oder bei Ihrer Krankenkasse. Als Orientierung sollten Sie vorher bestimmen, was Sie selbst mit einer Therapie erreichen wollen. Danach entscheidet sich, welche psychotherapeutische Richtung für Sie geeignet sein könnte. Nicht für jede übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten. Derzeit gehören zum gesetzlichen Leistungskatalog: Verhaltenstherapie, analytische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. 

Psychotherapie finden

"Ich bin so verzweifelt! - Wie werde ich bloß mit meiner Psoriasis fertig?" Dieser Hilferuf erreicht uns immer wieder. Deshalb haben wir für die Berliner Patienten die wichtigsten Informationen zusammengestellt, wie man als gesetzlich Krankenversicherter psychologische Unterstützung beantragen kann.
Wann hat man eine Chance, von der Krankenkasse psychologische Hilfe zu bekommen?
Wie erkenne ich, dass ich psychologische Hilfe benötige?
Klare Signale, die als „Indikation“ anerkannt werden, sind Depressionen, Rückzugs-Tendenzen, Workaholic-Erscheinungen, Überaktivität sowie hoher Leidensdruck oder andere psychische Folgen zum Beispiel durch eine schwere chronische Erkrankung.
Auswahl eines Psychotherapeuten
Das größte Problem ist es, den persönlich „richtigen“ Psychotherapeuten zu finden. Dabei sollte man sich unter Freunden, Familienangehörigen oder einem Sozialarbeiter einer Klinik umhören. Man kann sich auch vom Hausarzt oder dem eigenen Dermatologen einen Kollegen empfehlen lassen.
Wer will, dass die Krankenkasse eine Therapie bezahlt, muss auf Psychologen zurückgreifen, die eine Kassenzulassung haben. Dabei hilft die Kassenärztliche Vereinigung Berlin mit ihrem Gesundheits-Lotsendienst.
Krankenkassen haben eigene Listen mit Psychologen.
Therapeuten findet man außerdem beim überregionalen Psychotherapie-Informations-Dienst. Dort kann man sich persönlich beraten lassen, welche Therapie für einen geeignet sein könnte.
Allgemein kann man in drei Richtungen Psychotherapeuten suchen:
Verhaltenstherapie: Bei diesem therapeutischen Ansatz werden neue Verhaltensweisen eingeübt.
Psycho-analytische Verfahren: Über die Bewältigung von Kindheitserfahrungen und anderen prägenden Erlebnissen der Vergangenheit wird versucht, heutige Probleme aufzudecken.
Tiefenpsychologie: Es wird gedeutet, welche Übertragungen und Gegen-Übertragungen h e u t e welche Gefühle und Gedanken auslösen.
Andere Richtungen wie Gestalt-Therapie, Gesprächs-Therapie, NLP (Neuro-lingustisches Programmieren) oder Familien-Aufstellungen werden grundsätzlich von den Kassen nicht übernommen.
Wartezeit
Leider gibt es bei vielen Therapeuten lange Wartezeiten. Die meisten warten sechs Monate. Es ist sinnvoll, sich bei mehreren Therapeuten auf die Warteliste setzen zu lassen, weil immer wieder Patienten abspringen. Schneller geht es, wenn ein Psychiater den Patienten überweist. Im Notfall muss der Patient in eine Klinik eingewiesen werden.
Relativ zeitnah bekommt man Termine beim Institut für Verhaltenstherapie Berlin, Hohenzollerndamm 125/126, 14199 Berlin, Telefon (030) 89 53 83 13, eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Hier wird man von Therapeuten behandelt, die noch in der Ausbildung sind, aber unter Anleitung arbeiten. Es beschäftigen sich also zwei Personen mit dem Patienten.
Bewilligung
Es ist nicht ungewöhnlich, dass Patienten mehrere Therapeuten ausprobieren, bis sie einen gefunden haben, von dem sie sich behandeln lassen wollen. Grundsätzlich bewilligt die Kasse fünf Probestunden, bei der Psycho-Analyse sogar acht Probestunden. Das kostet natürlich Mühe, Kraft und Zeit, ist aber von der Sache her verständlich.
Hat man sich für einen Therapeuten entschieden, schickt der den Patienten zuerst zu einem „Konzilar-Arzt“. Das ist normalerweise der Hausarzt, der ausschließen soll, dass der Patient körperliche Beschwerden hat, die eine Psychotherapie gefährden könnten. Dann stellt der Therapeut einen Antrag bei der Krankenkasse, der dort geprüft wird. Eine „Grundbewilligung“ umfasst zwischen 40 und 60 Therapie-Stunden, maximal drei Mal pro Woche. Nur auf gesondertem Antrag kann das auf maximal 80 Stunden erweitert werden. Danach ist (erst einmal) Schluss, d.h. die Kassen zahlen keine psychotherapeutische „Lebensbegleitung“. Wenn man den Therapeuten wechselt, muss ein „Fortsetzungs-Antrag“ gestellt werden.
Als Ergänzung zu anderen Behandlungen kann man an einer „Psycho-somatischen Grundversorgung“ teilnehmen, d.h. man trainiert Autogenes Training, Progressive Muskel-Entspannung, Hypnose o.ä. Die Krankenkassen zahlen zwölf Sitzungen.
Psychotherapeuten dürfen keine Medikamente verschreiben. Wer parallel dazu Beruhigungsmittel oder Psychopharmaka benötigt, muss zum Psychiater oder zu einem ärztlichen Psychotherapeuten gehen.
Mit freundlicher Unterstützung von Michaela Schwabe, Unabhängige Patientenberatung Berlin
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