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Medikamente

Dithranol

Ein uraltes Mittel ohne langfristige Nebenwirkungen

Seit 1916 ist bekannt, dass man mit Dithranol die Psoriasis nebenwirkungsfrei (!) in den Griff bekommen kann. Seitdem muss sich jeder neue Wirkstoff daran messen lassen. Einst wurde Dithranol aus dem Mark der Araroba- oder Goa-Bäume in Brasilien gewonnen. Inzwischen wird es synthetisch hergestellt. Eine der auffälligsten chemischen Eigenschaften von Dithranol ist, dass es in Verbindung mit Sauerstoff schnell zerfällt, also auch an der Luft. Man sieht das deutlich daran, dass sich alles, was mit Dithranol in Verbindung kommt, braun färbt. 
 
Wirkungsweise 
 
Dithranol wirkt vorwiegend in der erkrankten Haut. Dort verlangsamt es die Zellteilung. Es beeinflusst die Energieversorgung in den Zellen. Dadurch wird letztendlich auch die übermäßige Schuppung der Haut zurückgedrängt. 
 
Nebenwirkungen 
 
Die häufigste Nebenwirkung sind Haut-Irritationen, meist Rötungen. Die ärgerlichste Nebenwirkung freilich ist jedoch die Verfärbung der gesunden Haut: Die wird schnell braun. Wie tief, hängt vom Hauttyp ab. Meist verschwinden die braunen Flecken nach einigen Wochen, wobei einige Patienten aber von jahrelang anhaltenden braunen Flecken berichten. Beim Auftragen von Dithranol werden auch mal Juckreiz oder ein Brennen bemerkt. Der größte Vorteil von Dithranol gegenüber den allermeisten anderen Psoriasis-Medikamenten: Das Mittel wird seit 1916 bei der Psoriasis angewendet, ohne dass Langzeit-Nebenwirkungen bekannt geworden sind. 
 
Dosierungen 
 
In Hautkliniken werden Salben mit einem anfänglichen Dithranol-Anteil von 0,05 bis 0,1 % verwendet. Sobald nach einer Steigerung der Konzentration nach zwei oder drei Tagen keine Reizung auf der Haut mehr auftritt, wird auf maximal 4 %, im Einzelfall auch mal 5 % gesteigert. Am Abend werden die Stellen mit einer fettreichen Salbe gepflegt. Treten einmal stärkere Reizungen auf, wird eine Pause von ein bis zwei Tagen empfohlen. Bei sehr starken Reizungen kann mit einer schwachen (!) Kortisonsalbe geholfen werden. Bei der Minutentherapie wird mit einer höheren Konzentration gestartet: Eine 1 %ige Dithranol-Salbe wird für 10 Minuten aufgetragen und danach kalt abgewaschen. Dr. Karlheinz Nocker (Bioglan) schickt voraus: "Die Dithranol-Therapie erfordert eine gute Mitarbeit vom Patienten. Wenn die Psoriasis-Stellen deutlich abgeheilt ist, sollte nicht unnötig weiter therapiert werden. Jede mechanische Reizung kann die Psoriasis erneut reizen." 
 
Kombinationsmöglichkeiten 
 
Wer mit Dithranol behandelt wird, muss nicht allein darauf vertrauen. Im Gegenteil: Eine Kombination mit anderen Präparaten ist von Vorteil. So können Ölbäder ebenso hilfreich sein mit zusätzliche UV-Bestrahlung. An der Hautklinik der Ruhr-Universität in Bochum haben Ärzte und Wissenschaftler noch bessere Kombinationen getestet und für gut befunden. Die Abheilung der Psoriasis-Stellen ging deutlich schneller mit 
  • morgens: Calcipotriol-Salbe, d.h. Vitamin D 3 (z.B. Daivonex- oder Psorcutan-Salbe) 
  • mittags: Dithranol-Salbe 
  • abends: Tazaroten-Salbe, d.h. Vitamin A (z.B. Zorac)
Ebenfalls gut wirkte die Kombination 
  • morgens: Momethason-Salbe (z.B. Ecural-Fettcreme) 
  • mittags: Dithranol-Salbe 
  • abends: Tazaroten-Salbe
Mit den Kombinationstherapien ist der Patient nach ihren Studien nach 19,5 Tagen "sauber". Dithranol allein angewandt benötigt 28,5 Tage für das gleiche Ergebnis. 
 
Andere Studien sprechen positiv von folgender Kombination im sogenannten Ingram-Schema:
  • morgens: Teerbad 
  • danach: UVB-Bestrahlung 
  • danach: Dithranol
Neben dem gleich noch näher erläuterten Medikament Micanol gibt es als Fertigpräparate noch Psoralon (enthält Salicylsäure) und Psoradexan (enthält Harnstoff) in der Apotheke. Alle Präparate können vom Hautarzt verschrieben werden. 
 
Dithranol-Medikament mit Vorzügen
 
Seit 1999 ist das Medikament Micanol der Firma Bioglan auf dem Markt. Der Name setzt sich aus dem Begriff "microverkapseltes Dithranol" zusammen - was heißt, dass der Wirkstoff Dithranol in Fettkügelchen verpackt wird. "Die menschliche Haut hat an der Oberfläche eine Temperatur von etwa 29 °C", erklärt Karlheinz Nocker von der Herstellerfirma. "Kommt die Salbe darauf, beginnen die Fettschichten (der Salbe) zu schmelzen." Ergebnis: Das Dithranol kann in die Haut eindringen. Der größte Vorteil von Micanol aber soll eine fehlende Eigenschaft sein: Wäsche und Badezimmer färben sich nicht mehr braun - solange man die Salbe nach der Anwendung mit kalten bis höchsten "laukaltem" Wasser abwäscht. 
 
Weitere Vorzüge sind laut Hersteller: 
 
• antibakterieller Langzeitschutz 
• keine Anwendung von Emulgatoren (Haltbarmachern; Stabilisierung von Emulsionen) 
• keine Anwendung von Konservierungsstoffen 
• die Möglichkeiten zur großflächigen Anwendung 
 
Die Anwendung
 
Beim Hautarzt gibt es neuerdings für den Patienten, der Micanol ausprobieren möchte, ein "Einstell-Set". Darin ist (neben einer Tube Micanol 1%) ein Schwamm enthalten, mit dem die Salbe abgewaschen werden kann. Wichtig ist jedoch das Informations-Heft. Darin steht, wie oft und wie lange Micanol aufzutragen ist. In einem Behandlungsplaner kann jeder Behandlungstag abgehakt werden. Die Frage "Wie lange war die Salbe gestern eigentlich drauf?" gehört also der Vergangenheit an. Micanol wird einmal täglich dünn aufgetragen. Begonnen wird mit der 1%igen Salbe. Am ersten Tag bleibt sie für fünf Minuten auf der Haut. Bleibt die Haut friedlich, treten keine Reizungen auf, werden jeden Tag fünf Minuten dazugegeben. Die Höchstgrenze liegt laut Hersteller bei 30 Minuten. Sind die erreicht und die Stellen schon etwas besser, kann der Hautarzt Micanol 3% verordnen. Damit wird wieder bei fünf Minuten begonnen. Die "Steigerungsrate" liegt wie bei der 1%-igen Salbe bei fünf Minuten täglich und maximal 30 Minuten. Sind die erreicht, wird so lange weiter gesalbt, bis die Stellen weg sind. 
 
Wichtig ist das Abwaschen der Salbe: Das Wasser darf maximal 30 °C warm sein; am besten man benutzt nur kaltes Wasser. Seife hat beim Abwaschen der Salbe nichts zu suchen. Nur dann bleiben die braunen Flecken in Wäsche und Bad aus. Der Hersteller empfiehlt sogar: "Wäsche und Handtücher, mit denen der Patient zu tun hatte, sollten nicht mit Weichspüler behandelt werden." Und: Sie sollten möglichst kalt bis lauwarm ausgewaschen werden. Der Waschlappen sollte nicht achtlos in die normale Wäsche gegeben werden. 
 
Einschränkungen und Empfehlungen
 
Eine akute pustulöse Psoriasis oder eine Schuppenflechte im Gesicht darf nicht mit Micanol behandelt werden. Lippen, Mund, Genitalien, Hautfalten z.B. unter der Brust oder in den Achselhöhlen, Wunden und Geschwüre sollten auch besser nichts von Micanol mitbekommen. Die Wirkung von Micanol auf dem Kopf ist nicht untersucht worden. Bioglan empfiehlt die Anwendung dort deshalb auch nicht. Gerhard Leibold schließt die Anwendung auf dem Kopf indes nicht aus: In seinem Buch "Schuppenflechte - Ursachen, Symptome, ganzheitliche Behandlung" warnt er zwar vor Überdosierung und daraus folgender Verfärbung der Haare. Aber: "Das vermeidet man, indem man vorsichtig die individuell richtige Konzentration ermittelt", schreibt er weiter. Kinder ab zwei Jahren dürfen Micanol durchaus anwenden. Bei einer Schwangerschaft muss der Hautarzt abwägen, ob ihm die Behandlung mit Dithranol möglich erscheint. Während der Stillzeit steht Micanol allerdings auf dem Index, weil noch nicht geklärt ist, ob Dithranol in die Muttermilch übergeht. Vorsichtig sollten Patienten mit Niereninsuffizienz sein. 
 
Dithranol (und damit auch das Medikament Micanol) darf nicht mit Schleimhäuten in Berührung kommen. Nach der Anwendung sollten die Fingernägel gründlich gereinigt werden. Männliche Patienten berichteten davon, dass sie die Dithranol-Behandlung angenehmer fanden, wenn Haare z.B. auf der Brust zuvor abrasiert worden waren. Die Behandlung der schwierig in den Griff zu bekommenden Psoriasis an Händen und Füßen kann durchaus gelingen, wenn die Stellen vorher sehr gut entschuppt wurden. 
 
Micanol soll in die Haut eingerieben und -massiert werden, damit genügend Wärme entsteht, die den Wirkstoff erst richtig freisetzt. Eingerieben wird solange, bis keine Reste der Creme mehr sichtbar sind. Um gesunde Haut zu schonen, ist es ratsam, beim Auftragen einen Gummi- oder Folien-Handschuh zu tragen. Wem das so gar nicht behagt, der sollte die Hände nach dem Eincremen sofort mit kaltem Wasser waschen. Vor einigen Jahren gab es einen Dithranol-Stift in Apotheken, der das Auftragen sehr leicht machte. Er ist inzwischen leider nicht mehr zu haben. Für die abendliche Fettsalbe ist eine Pflegecreme mit 12% Urea (Harnstoff) zu empfehlen. Wer nach einiger Zeit Anwendung nicht sicher ist, ob die Wirkung vielleicht bei ihm ausbleibt, sollte die Behandlung nicht zu zeitig abbrechen. Nach sechs Wochen jedoch sollten "normale" Psoriasis-Stellen abgeheilt sein. 
 
Anwender von Psoradexan können, wenn sie sich in der Wäsche braune Flecken "eingefangen" haben, beispielsweise mit "Sil - Der Fleckenlöser" einen Versuch wagen - nicht aber mit "Sil - Das Fleckensalz"! Flecken im Bad gehen lautz Dr. Reinhardt K. Achenbach beispielsweise mit Domestos, Chlorix oder Napisan 'raus - schreibt er in "Der Haut-Ratgeber: Alles über Haut, Haare, Nägel". 
 
Weitere Informationen
 
Das Heftchen "Patienten-Information" und ein Schwamm können kostenlos beim Hersteller abgefordert werden. Dazu schicke man eine Postkarte an Bioglan Pharma GmbH, Robert-Bosch-Straße 6, 35398 Gießen. Die Firma ist im Internet unter www.bioglan.de vertreten.

Kortison

Keine Angst vor Kortison

Nichts ist so schwer aus der Welt zu schaffen, wie längst überholte Bewertungen. Für viele gelten heute noch kortisonhaltige Salben und Cremes (med. Corticoide) als „Teufelszeug“. Dabei wird ignoriert, dass bei den neueren Präparaten typische Nebenwirkungen nur noch selten auftreten. Sie gehen meist zurück, wenn das Mittel abgesetzt wird. Viele Gegner von Kortison unterscheiden nicht zwischen der relativ harmlosen äußerlichen Anwendung und der innerlichen Therapie mit Tabletten oder Spritzen. Inzwischen gibt es Mediziner, die auch bei Psoriasis eine Dauertherapie mit kortisonhaltigen Präparaten empfehlen.

Kortison war die Sensation der 50-er Jahre des 20. Jahrhunderts. Kein anderer Wirkstoff half so schnell und durchgreifend bei entzündlichen Hautkrankheiten. Das böse Erwachen kam, wenn man das Mittel absetzte. Die Psoriasis-Stellen blühten oft schlimmer als vorher. Wer Kortison über längere Zeit auf der Haut auftrug, musste mit Hautschäden rechnen: Die Haut wurde dünn und brüchig wie Pergament (Atrophie). Es gab „Pseudo-Narben“ und Pigmentierungen, Akne und starke Entzündungen im Gesichtsbereich. Die Haare wuchsen stärker an den behandelten Stellen oder die kleinen Blutgefäße unter der Haut weiteten sich aus, wie bei einer „Säufernase“.

Diese Nebenwirkungen treten heutzutage deutlich seltener auf. Schon deshalb, weil es im Gegensatz zu früher nicht mehr nur stark dosierte Kortisonpräparate zur Verfügung stehen. Bei äußerlich anzuwendendem Kortison gibt es vier Klassen von „schwach wirksam“ bis zu „sehr stark wirksam“.

Fast alle dieser Nebenwirkungen verschwinden nach einiger Zeit, wenn man das Mittel abgesetzt hat. Nicht jedoch die ausgeweiteten Blutgefäße. Die kann man nur mit einem Laser entfernen. Keine Nebenwirkungen sind bisher beobachtet worden, wenn man Kortison nur auf die Kopfhaut aufträgt.

Kortison sollte vor allem zur „Ersten Hilfe“ benutzt werden. Wenn die Psoriasis akut und sehr stark ausgeprägt ist, wenn sie sich hartnäckig an vielen Stellen festgesetzt hat und man wirklich verzweifelt ist, kann man mit kortisonhaltigen Salben oder Cremes die Entzündungen schnell abklingen lassen. Die Erfolge sind schon nach einigen Tagen sichtbar. Gut für alle, die sehr unter ihrer Hautkrankheit leiden. Gängige Meinung ist, dass man Kortison nicht länger als vier Wochen anwenden soll; an sensiblen Bereichen nach zwei Wochen. Danach sollte man auf einen anderen Wirkstoff umsteigen. Auf keinen Fall darf eine Kortison-Therapie abrupt beendet werden. Kortison muss immer langsam abgesetzt werden. Die Experten sagen, dass man sich „ausschleichen“ muss. Zum einen kann man langsam von einem starken zu einem mittelstark wirksamen Präparat wechseln. Zum anderen kann man die Zeitabstände verlängern, in denen die Creme aufgetragen wird. Wer sich einmal täglich eincremt, macht es danach nur alle zwei Tage, dann alle drei Tage usw. In den Tagen dazwischen wird entweder gar nichts, ein schwächeres Kortison oder ein anderer Wirkstoff aufgetragen. Wer sich daran nicht hält, muss damit rechnen, dass die Schuppenflechte wieder sehr schnell und heftig aufflammt (Rebound).

Der Arzt kann die Kortisontherapie heutzutage viel genauer dosieren, als früher. Je nach dem, wie stark die Psoriasis ist und an welchen Stellen sie behandelt werden muss, kann er ein eher mildes oder ein eher starkes Corticoid verschreiben. Beginnen Sie eher mit dem stärkeren Präparat, um erst einmal die Entzündung einzudämmen. Beachten Sie, dass mit zunehmendem Alter die Haut immer dünner wird und deshalb ein weniger starkes Kortison notwendig ist. Im Alter sind auch die Blutgefäße brüchiger und empfindlicher. Wirkstoffe ziehen in die Haut unterschiedlich gut ein. Je höher der unten stehende „Penetrations“ - Wert ist, desto weniger Wirkstoff muss aufgetragen werden bzw. desto milder kann das Mittel sein. Deshalb darf man im Gesicht, in den Ohren, an den Geschlechtsteilen usw. nur mit schwach wirksamen Kortisonpräparaten therapieren.

 
Kopfhaut 3,5
Stirn 6,0
Kieferwinkel 13
Rücken 1,7
Achselhöhle 3,6
Unterarm dorsal (außen)  1,1 
Unterarm ventral (innen) 
Handfläche 0,8
Skotum (Geschlechtsteilgegend)  43,0
Knöchel 0,4 
Fußsohle 0,1 
Penetrationsverhältnisse und Atrophieverhältnisse für Dermokortikoide, nach Feldmann/Maibach
 
Dazu gehören Hydro-Kortison-Cremes, die Sie frei in der Apotheke kaufen können. Ökotest 11/2015 hat nur vier Cremes als „sehr gut“ bewertet: Ebenol® u. Fenihydrocort® mit 0,25%, Hydro Heumann® u. Hydrocortison Hexal® mit 0,5 %. Kinder unter sechs Jahren dürfen ohne ärztliche Anweisung nicht mit Hydrokortison behandelt werden. Kortisonpräparate ab Wirkungsklasse III (stark wirksam) dürfen weder im Gesicht noch in der Nase aufgetragen werden. Für alle Kortison-Cremes gilt, dass sie nicht ins Auge kommen dürfen. Bei der Anwendung im Genitalbereich ist zu beachten, dass Kondome rissig werden können. Das verursachen die in den Cremes enthaltenen Paraffine.
 
Sehr erfolgreich ist die Kombination des stark wirksamen Kortisons Betamethason mit Calcipotriol (entspricht Vitamin 3) in Daivobet®. Zu diesem Präparat wird inzwischen von einigen führenden Dermatologen die Meinung vertreten, man solle es dauerhaft anwenden, wenn auch in größeren Zeitabständen. Bei Neurodermitis-Patienten habe sich gezeigt, so Prof. Kristian Reich in 2014, dass bedenkenlos mit äußerlich wirksamen Corticoide ohne Unterbrechung behandelt werden kann.
 
Bei gleicher Konzentration wirkt Kortison am besten in Salbenform, nicht ganz so gut in Creme und am geringsten in alkoholischer Lösung. Eine Tinktur für die Kopfhaut muss stets höher konzentriertes oder ein stärkeres Kortison enthalten, als wenn man die gleichen Stellen mit Salbe einschmieren würde. Man kann die Wirkung von Kortison um das Fünf- bis Zehnfache steigern, wenn man die behandelten Stellen z.B. über Nacht mit Folie abdeckt (Haushaltsfolie, Plastiktüten, Folien-Handschuhe). Das empfiehlt sich z.B. bei der Behandlung der Hände und Füße, weil dort das Kortison ansonsten schlecht eindringt. Besprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Arzt, ob sie diese Methode anwenden sollten, weil er seine Verschreibung darauf abstimmen muss. Wenn der erste Erfolg zu sehen ist, sollte man sich wieder langsam "ausschleichen". Nach der Behandlung mit Kortison sollten Sie sich immer die Hände waschen, damit der Wirkstoff nicht versehentlich ins Gesicht gelangt.
 
Hartnäckig hält sich seit Jahren das Gerücht, man müsse lediglich morgens zwischen sechs und acht Uhr kalt duschen. Dann würde ausreichend körpereigenes Kortison gebildet werden. Es stimmt, dass man frühmorgens mehr Kortison ausschüttet. Leider verteilt sich dieses natürliche Kortison auf die gesamte Körperfläche und nicht nur auf die betroffenen Psoriasis-Stellen. Dadurch ist die Dosis dermaßen gering, dass es leider nicht ausreicht, als „Kaltduscher „ seine Schuppenflechte in den Griff zu bekommen. Richtig ist, dass zu heißes Duschen den körpereigenen Fetthaushalt negativ beeinflusst. Psoriatiker sollten lauwarm duschen, wenn sie ihrer Haut etwas Gutes antun wollen.
 
Autor: Rolf Blaga, 7.11.2015
 
Kortisonpräparate, sortiert nach Handelsname
 
Klasse I = schwach wirksam
Alferm Salbe, Arutrin-Spray, Cortidexason crinale, Dermallerg-ratiopharm, Dermo Posterisan, Dexa Loscon mono, Dexagalen crinale, Dexamethason, LAW, Dontisolon D Mundheilpaste, Ebenol 0,25 % Salbe, Ebenol 1 %, Fenestil, Hydrocortison, hydrocort von ct, Hydrocortison POS N 1%, Hydrocortison POS N 2,5%, Hydrocortison Wolff 0,5 %, Hydrocortison Wolff 1%, Hydrocutan, Hydrocutan mild, Hydroderm HC 0,5%, Hydrogalen, Inflanefran AS, Kabanimat, Linola H Fett N, Linola-H N, Lygal Kopftinktur N, Munitren H fettend/fettarm, Posterine Corte, Prednisolon AS, Prednisolon LA, RatioAllerg Hydrocortison, Remederm HC Widmer, Sanatison Mono 1%, Sanatison Mono 1/3%, Solutio Cordes Dexa N, Soventol HC. Systral Hydrocort, Vaspit, velopural OPT, Volonimat Spray 
 
Klasse II = mittelstark wirksam 
Advantan, Alfason, Betnesol V crinalite, Betnesol V mite, Cerson, Cortidexason N, Decoderem S, lbe, Decoderm Creme, Delonal, Delphicort Dermatop, Duodexa N, Emovate, Extracort-N, Jellisoft, Kaban, Kortikoid ratiopharm, Laticort 0,1 %, Pandel, plus -caproat, Retef, Sterax 0,1%, Topisolon mite, Triam Lichtenstein, Triamcinolon Wolff, Triamgalen, Volon A (antibiotikafrei), Volon A Spray N, Volonimat N. 
 
Klasse III = stark wirksam
Amciderm, Bemon, Beta Lichtenstein, Betalgen, Betamethason Wolff, Betnesol V 0,1 %, Betnesol V crinale; Celestan V, Celestan V crinale, Cordes Beta, Cordes Beta, Daivobet, Diprosis, Diprosone, Ecural, Florone, Florone crinale, Fluocortolon plus, Flutivate, Halog, Jellin, Nerisona, Pentacort, Sicorten, Soderm, Topisolon, Topsym,, Ultralan, Ultralen 
 
Klasse IV = sehr stark wirksam
Clobegalen, Dermoxinale, Dermoxin, Karison und Karison crinale

Zeolithe

Vulkangestein in Nano-Größe

Auf dem deutschen Gesundheits-Markt werden immer wieder Produkte angeboten, die wahre Wunder bewirken sollen. Dazu beruft man sich zum Beispiel auf die „Nano-Medizin“. Wirkstoffe in Nanogröße, das ist eine Million Mal kleiner als ein Millimeter, sollen bessere, genauere und zielgerichtete Effekte haben. Aluminium-Calcium-Silicate („Zeolith“) in Nano-Größe sollen bei Psoriasis erfolgreich wirken. Aber: Keines dieser Präparate ist als Medikament zugelassen. Offiziell dürfen die Anbieter also nicht behaupten, dass diese Mittel zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden darf. Unter der Hand machen sie es trotzdem! Die Einschätzungen, die uns bis jetzt vorliegen, machen uns aber eher skeptisch. 
 
Das "Zeolith Zentrum Deutschland" verweist darauf, dass man unter „neueste Erkenntnisse für die Behandlung der Psoriasis“ erfahren könne. Die Firma „Klinovital Inc.“ weist auf das Vulkangestein "Zeolith" hin, das aus Alumosilikaten besteht. Dieses Vulkangestein würde, so der Hersteller, "extrem zerkleinert". Auf diese Weise würden "superkleine Teilchen in Nanogröße entstehen. Diese Nano-Teilchen würden "schädliche Stoffwechselprodukte leicht an sich binden und die Zelle entschlacken". 
 
Das Fernsehmagazin „Panorama“ hat am 30.03.06 ein sehr ähnliches Nahrungsergänzungsmittel, "Neosino", als "großen Bluff" entlarvt. Wichtigster Bestandteil sollen auch bei diesem Produkt "Nano-Mineralien" sein. Die sollen nicht nur leistungsfördernd sein, sondern auch gegen eine Reihe von Krankheiten helfen. Das Max-Planck-Institut in Potsdam konnte aber in diesem Präparat keine Nano-Teilchen finden. Die von der Firma beschriebene Herstellungstechnik lasse, so das Fernsehmagazin, eine Zerkleinerung auf "Nano-Größe" überhaupt nicht zu. Dazu benötige man viel aufwendigere Maschinen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit verweist darauf, dass das eingesetzte Silizium in "Neosino" nicht verkehrsfähig und eine Verwendung damit unzulässig sei. 
 
Dr. Ilja Lasaroff von der Fachklinik Schloss Friedensburg erklärte, dass in seiner Klinik das Zeolith "Klinovital" angewendet wird, um den Juckreiz zu lindern. In Salbenform könne es zur Pflege oder zur Behandlung einer leichten Psoriasis verwendet werden. Es sei aber nicht zur Therapie der Schuppenflechte gedacht. 
 
In 2005 hatte er uns mehrmals das Zeolith-Produkt "Megamin" empfohlen. Davon wollte er aber ein Jahr später nichts mehr wissen. "Da hat es ein paar Unregelmäßigkeiten gegeben!", so Lasaroff. Ein weiteres, namens "Froximun", enthalte zwar Zeolith, sei aber ebenfalls nicht seriös genug. Das von "Panorama" als Betrug entlarvte "Neosino" hätte er schon vor einigen Jahren kritisiert, weil es (beruhigendes) Brom enthalte. Das „einzig, wirklich seriöse“ Zeolith-Produkt sei "Klinovital", so Lasaroff. Es sei eine "Mono-Wirksubstanz", über die er bereit wäre, einen Vortrag zu halten. 
 
Aber: "Klinovital" ist kein zugelassenes Medikament! Aus unserer Sicht gehört es, trotz des wissenschaftlichen Anscheins, zu den "esoterischen" Mitteln. Auf der Internetseite des "Zeolith Zentrum Deutschland" fanden wir zum Beispiel folgenden, entscheidenden Hinweis: 
 
Unser Zeolith wird zur Verwendung als funktionales Lebensmittel modifiziert. Der "Klinovital, Inc." ist es gelungen, Informationen nichtstofflicher Art auf das Zeolith zu modulieren. Diese "bioenergetische Aktivierung" erfolgt mit Hilfe stoffwechselrelevanter Informationen. Der Informationsübertrag geschieht mit Hilfe verknüpfter Orgon-Technologie. Dieses Verfahren wurde zum Patent angemeldet und ist unser Unterscheidungsmerkmal zu anderen Mitbewerbern! 
 
Die "Orgon-Technologie" beruft sich auf den Psychologen Wilhelm Reich und seiner Theorie der alles steuernden Energie "Orgon". Die wollte er technisch durch so genannte "Orgon-Akkumulatoren" herstellen lassen. Das wurde aber in den USA verboten und strafrechtlich verfolgt. Reichs Theorie wurde der wissenschaftliche Charakter abgesprochen. Trotzdem gibt es weiterhin Anhänger dieser Theorie - und Gegner. 
 
Nicht sehr vertrauenswürdig erscheint uns, dass es seit Jahren zwar ein "Zeolith-Zentrum Deutschland " gibt, aber keine nachvollziehbare Adresse. Im Impressum der Internetseite erscheint lediglich eine US-Anschrift und deutsche Telefonnummern. Auf anderen Internetseiten findet man ein Postfach in Gotha. 
 
Dr. Max Daunderer, ein pensionierter Toxikologe aus München, warnt vor allem seit Jahren vor Amalgam als Zahnfüllung. Das ist bekanntlich heftig umstritten - wie auch die Aussage, dass man seine Psoriasis los wird, wenn man sich Amalgamfüllungen herausnehmen lässt. Für Daunderer ist das Zeolith-Produkt „Froximmunwirkungslos und gefährlich. Dieses Aluminium-Calcium-Silicat tauge nicht zur Entgiftung und zur Stabilisierung des Immunsystems. Im Prinzip entspräche es dem Lebensmittelzusatzstoff E 556, der weitaus billiger ist als das teure „Froximmun“. Aluminiumsalze sollten wegen der Alzheimer-Gefahr unbedingt gemieden werden. Beigemischte Zusatzstoffe seien ebenfalls bedenklich: Traubenkernextrak (kann Allergien auslösen), Carotinoid (kann für Raucher tödlich sein), Vitamin C (kann Gifte ins Gehirn transportieren) usw. Vielleicht übertreibt auch Dr. Daunderer. Aber muss man sich unnötigen Gefahren aussetzen? 
 
Auch die Nano-Technologie wird heftig kritisiert. Kein Mensch weiß wirklich, ob diese extrem kleinen Partikel nur ihre Heilfunktionen erfüllen. Dazu müsste man den Körper eines behandelten Patienten aufschneiden und unter dem Elektronenmikroskop untersuchen. Im Frühjahr 2004 haben Studien an Ratten die tödliche Wirkung von Nano- F a s e r n nachgewiesen. In die Lunge gespritzt verendeten die Tiere schon nach kurzer Zeit an ähnlichen Symptomen, wie asbestverseuchte Exemplare. Allerdings waren die Konzentrationen wesentlich höher, als bei einem Unfall zu erwarten. 
 
Wer also für solche Produkte viel Geld ausgeben will, sollte sich weder durch eindrucksvolle Werbesprüche, noch durch die Überredungskünste von „Gesundheitsberatern“ beeinflussen lassen. Informieren Sie sich vorher genau über das Pro und Contra. 
 
Marlon Getschmann

Teer + Schieferöl

Seit über 100 Jahren werden chronische Hautkrankheiten mit Steinkohle-Teer und Schieferöl behandelt. Beides sind keine starken Wirkstoffe und deshalb nicht für schwere oder mittelschwere Formen der Psoriasis geeignet. Steinkohle-Teer wurde in den 1990-er Jahren verdächtigt, krebserregende Stoffe zu enthalten. Bei richtiger Anwendung gilt das Risiko inzwischen als relativ gering. Beide, Teer wie Schieferöl hemmen die übertriebene Zellteilung und Verhornung. Sie wirken entzündungshemmend und lindern den Juckreiz.
 
Teer ist einer der ältesten Wirkstoffe, um Hautkrankheiten zu behandeln. Der gereinigte Steinkohle-Teer wird aus Kohle, Holzkohle und Torf gewonnen. Daher auch der intensive Geruch. Teer enthält mehr als 400 Inhaltsstoffe, von denen nicht einmal die Hälfte erforscht ist. Die Medizin arbeitet meist mit Steinkohle-Teer (LCD - liquor carbonis detergens).
 
Viele Patienten haben gute Erfahrungen mit Teer gemacht. Oft können sie auf Kortisoncremes oder - salben verzichten, wenn sie stattdessen teerhaltige Präparate auftragen1. In den USA gehört Teer (neben Kortison) zu den am meisten verschriebenen Wirkstoffen bei Psoriasis.
 
Teere machen die Haut besonders empfindlich für UV-Strahlen. Deshalb sollte man sich nicht gleichzeitig intensiv mit Sonnen- oder künstlichem UV-Licht bestrahlen. Das kann zu Sonnenbrand und Blasenbildung führen. In den USA dagegen wird eine Behandlung mit Steinkohle-Teer einer UVB-Therapie vorgeschaltet („Goeckermann-Schema“). Bei der „Ingram-Methode“ werden Teerbad, UVB-Bestrahlung und Dithranol-Paste kombiniert.
 
Gelegentliche Hautreizungen verschwinden nach kurzer Zeit. Teerhaltige Präparate dürfen nicht bei feucht-entzündlicher bzw. einer pustulöser Psoriasis und nicht auf großen Hautflächen eingesetzt werden. Vorsicht ist außerdem in Körperregionen geboten, die den Wirkstoff vermehrt aufnehmen: z.B. Gesicht, Hautfalten, Leistenbeuge, Hodensack oder um den After. Teerhaltige Produkte dürfen nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden. Kinder unter 12 Jahren sollten nicht damit behandelt werden.
 
Shampoos mit Teer müssen 10-15 Minuten einziehen, um wirksam werden zu können. Sie müssen sich Zeit nehmen (können), wenn Sie sich für einen natürlichen Wirkstoff entscheiden. 
 
Trotz guter Wirkung stört es viele Anwender, dass die Cremes intensiv riechen. Die modernen Zubereitungen synthetischer Teere sind aber hinsichtlich Farbe und Geruch durchaus akzeptabel. Sie eignen sich besonders zur preiswerten Nachbehandlung, wenn die akute Entzündung z. B. durch Kortison abgeklungen ist.
 
Wegen möglicher erbgutschädigender und krebserregender Effekte von Steinkohle-Teerverbindungen sind die teerhaltigen Shampoos und Cremes in Verruf geraten. In Tierexperimenten hatte sich gezeigt, dass die im Steinkohle-Teer manchmal vorkommenden Benzpyrene krebserregend sind. Daraufhin wurde Steinkohle-Teer zuerst in Kosmetika verboten, dann als Wirkstoff in medizinischen Fertigpräparaten rezeptpflichtig.
 
Diese Entscheidung war aber zwischen Experten stets umstritten. Prof. Roland Niedner spricht von „ unkritischen Krebswarnungen“ und hält die „sporadische Anwendung des altbewährten Steinkohleteers“ weiterhin für vertretbar. Andere Experten verweisen auf die jahrzehntelangen klinischen Erfahrungen und die zahlreichen Studien an Patienten. Sie halten es „ so gut wie ausgeschlossen“ dass Menschen Krebs bekommen, weil sie mit Teer behandelt wurden. Die Patientenzeitschrift PSO aktuell weist darauf hin, dass ein Krebsrisiko nur besteht bei „ununterbrochenem Dauergebrauch und an Körperstellen, an denen die Haut den Wirkstoff vermehrt aufnimmt. Meiden sollte Steinkohle-Teer auch, wer an einer angeborenen Geschwulstneigung leidet.
 
In den USA hat die Gesundheitsbehörde FDA, deren strenge Richtlinien für Nahrungs- und Arzneimittel international als vorbildlich gelten, die freiverkäuflichen Steinkohleteer-Shampoos als "sicher und wirksam" eingestuft.
 
Es sind folgende Steinkohle-Teer-Präparate gegen Rezept erhältlich, d.h. sie sind verschreibungspflichtig und werden von den Krankenkassen erstattet: 
  • Teer-Linola®-Fett Creme, 2 % Steinkohleteerdestillat, zugelassen nur bei chronischem Ekzem und Neurodermitis. 
  • Lorinden® Teer-Salbe, 1,5 % Steinkohleteer, zugelassen für Psoriasis vulgaris, Neurodermitis oder Ekzeme.
  • Tarmed®- Lösung, 4 % Steinkohle-Teer-Lösung, zugelassen für Psoriasis auf der Kopfhaut.
  • Als teerhaltiges Shampoo kann man sich vom Arzt eine so genannte „Magistral-Rezeptur“ verschreiben zu lassen. Im „Neuen Rezeptur Formularium (NRF)" gibt es einen wirkstoffgenauen Nachbau. Im Gegensatz zu Rezepturen, die sich jeder Arzt selbst zusammenstellt, sind die NRF-Rezepturformeln wissenschaftlich wie praktisch überprüft. Konkret geht die Mischung so:
    für eine   5%-ige Lösung: Steinkohle-Teer-Spiritus   5,0 g, Natriumlaurylethersulfat-Lösung 27% 60,0 g, Natriumchlorid 6,0 g, gereinigtes Wasser zu 100,0 g
    für eine 10%-ige Lösung: Steinkohle-Teer-Spiritus 10,0 g, Natriumlaurylethersulfat-Lösung 27% 60,0 g, Natriumchlorid 6,0 g, gereinigtes Wasser zu 100,0 g

    Weitere Standard-Zubereitungen mit Teer für Psoriatiker können Sie auch hier abrufen.

Rezeptfrei ist erhältlich:

  • Exorex Gel, 1 % oder 2% Steinkohleteerextrakt nur über die kanadische Internetseite www.exorex.com2

Sulfoniertes Schieferöl (Ammonium-Bitumino-Sulfonat) wird aus schwefelreichem Ölschiefer trocken destilliert. Es wird oft mit teerhaltigen Präparaten gleichgestellt, hat aber laut Herstellerangaben andere Eigenschaften und weniger Nebenwirkungen. Im Gegensatz zu Teerprodukten dürfen Kinder damit behandelt werden.

Auch Shampoos mit Schieferöl müssen 10-15 Minuten einziehen, um wirksam werden zu können. Sie müssen sich Zeit nehmen (können), wenn Sie sich für einen natürlichen Wirkstoff entscheiden.

Rezeptfrei sind folgende Schieferöl-Präparate erhältlich:

Über die Ichthyol Gesellschaft können Mischungen von Schieferöl mit Kortison bezogen werden. Rezepturen (Zubereitungen) mit Konzentrationen von 10 % bis 20 % Steinkohleteer werden wegen des unangenehmen Teergeruchs und der Verfärbung von Haut und Kleidung nur noch in Klinken angewendet.

 

1 In einem vierwöchigen Rechts-Links-Vergleich an 30 Patienten wirkte Teer nicht schlechter, als Hydrokortison 1% („arznei-telegramm“ 2003; Jg. 34, Nr. 5. S. 53).  

2 Der Vertreiber von Exorex® verweist auf eine kontrollierten Prüfung an 40 Patienten mit Plaque-Psoriasis, die an der Universitäts-Hautklinik in Wien durchgeführt wurde (S. Tzaneva, H. Hönigsmann, A. Tanew im British Journal of Dermatology. Volume 149 / 2003, S. 350 ff.). Danach hat sich dieses steinkohleteerhaltige Präparat klinisch und statistisch dem Wirkstoff Calcipotriol (Daivonex® Creme) als „ebenbürtig“ erwiesen.

Risiko-Medikamente

Vorsicht, wenn Sie diese Medikamente einnehmen

Es gibt Medikamente bzw. Wirkstoffe, die man gegen eine völlig andere Krankheit nimmt, die aber die Psoriasis verstärken oder sogar erstmals zum Ausbruch bringen: 
• Alka Seltzer® (siehe Salicylate)
• Allopurinol gegen erhöhte Harnsäure bei Gicht und Nierenkrankheiten, 
• Alpha-Interferon (siehe Interferon-Alpha)
• Amiodaron® gegen Herzmuskel-Störungen,
• Azulfidine® (siehe Sulfaspyridin)
• Brom als Narkose-, Beruhigungs- und Schlafmittel, 
• Butazolidine® (siehe Phenylbutanzon)
• Chinidin gegen Herzrhytmus-Erkrankungen, 
• Chloroquin (Resoquin®) Anti-Malaria-Präparat (Einfluss auf Psoriasis bei vielen nach 2 -3 Wochen), 
• Colo-Pleon® (siehe Sulfaspyridin)
• Digoxin gegen Herzschwäche,
• Follikular-Hormone bei Erkrankungen des Eierstocks, 
• Gamma-Interferon (siehe Interferon-Gamma),
• Goldsalze gegen Rheuma, 
• Indomethazin (siehe NSR)
• Interferon- Alpha, Protein gegen Leberentzündungen (Hepatitis), Tumore und Bluterkrankungen (unter ärztlicher Kontrolle darf das Mittel auch von Psoriatikern genommen werden), 
• Interferon –Gamma gegen Osteoporose und Tumore, 
• Jod z.b. gegen Überfunktion der Schilddrüse oder radioaktive Verstrahlung, 
• Kaliumiodid / Jodtabletten (siehe Jod), 
• Lithium gegen Depressionen (Einfluss auf Psoriasis oft erst nach Monaten), 
• Morphinverbindungen gegen starke Schmerzen, 
• Novocain®, Novacaine® (siehe Procain),
• Penicillin = Antibiotika gegen bakteriell bedingte Erkrankungen, 
• Procain, Betäubungsmittel z.B. in der Zahnmedizin, Novocain®, Novacaine®, 
• Resoquin® (siehe Chloroquin)
• Salben, wenn sie zu „scharf“ sind, 
• Salicylate, gegen Schmerzen (siehe Alka Seltzer®),
• Sulfapyridin bei rheumatoider Arthrits, wirkt ähnlich wie MTX, z.B. Azulfidine® oder Colo-Pleon®, 
• Sulfonamide gegen Darmbakterien, Streptokokken und Harnwegsinfektionen, 
• Tetrazyklin, breite antibakterielle Wirkung, 
• Trazodon als Beruhigungs- und Anti-Depressiv-Mittel, z.B. Trazadon neuraxpharm®, Thombran® und Trittico®, 
• Zyklooxygenase - Hemmer (Coxibe), wie z.B. Celecoxib® und Refecoxib® bei Rheuma und Psoriasis Arthritis.
 
Bei den folgenden Medikamenten ist es umstritten, ob sie wirklich die Psoriasis verstärken bzw. zum Ausbruch bringen können:

• ACE-Hemmer bei Bluthochdruck oder Herzschwäche, z.B. Captopril, Enalapril
• Captogamma®
• Lopirin®
• Tensobon®

• NSAR (NSAID) = nicht-steroidale Antirheumatika, entzündungs- oder schmerzhemmende Mittel wie z.B. Diclofenac, Ibuprofen, Phenylbutazon,
• Indomethazin,
• Phenylbutanzon wie Ambene®, exrheudon OPT® und Butazolidine®

Bei Beta-Blockern gegen Bluthochdruck, Herzrythmusstörungen und Migränegeht man inzwischen davon aus, dass sie NICHT auf die Psoriasis wirken.
 
Dazu gehören
• Atenolol®,
• Metopropol®,
• Pindolol®,
• Propanolol®.
 
Nennen Sie Ihrem Arzt alle Medikamente, die Sie einnehmen. Nur er kann entscheiden, ob die enthaltenen Wirkstoffe die Psoriasis beeinflussen und welche Alternativen es gibt. 
 
Weitere Aussagen zu diesem Thema finden sich im Psoriasis-Netz.

Wundermittel

Wundermittel bei Schuppenflechte

Regelmäßig wird in den Sensationsmedien berichtet, dass endlich ein Mittel oder eine Therapie gefunden sei, die die Schuppenflechte „heilt“. Es werden Psoriatiker vorgestellt, bei denen bisher kein Medikament geholfen hat und die jetzt begeistert behaupten, allein von diesem Mittel oder dieser Therapie gesund geworden zu sein. Das beeindruckt und lässt hoffen. Leider lösen sich nach einiger Zeit diese Heilsversprechen stets in Luft auf. Außer hohen Spesen ist nichts gewesen.

Versprechen Heilung

Schuppenflechte (Psoriasis) ist nach heutiger medizinischer Kenntnis (noch) nicht heilbar. Bis auf die wenigen Fälle einer Spontanheilung. Aber die Menschen können für mehr oder längere Zeit erscheinungsfrei bleiben. Trotzdem werden immer wieder „geheimnisvolle Rezepturen“ angeboten, angebliche „Doktorfische“ angepriesen oder begeistert von Aloe Vera, Schüssler-Salzen, Algen, Stutenmilch oder sogar Lavagestein geschwärmt. Viele dieser Mittel werden als „Allheilmittel“ angepriesen und sollen bei einer Vielzahl von völlig verschiedenen Krankheiten wahre Wunder bewirken. Bei klarem Verstand ist es kaum vorstellbar, dass es solch ein universell wirkendes Mittel geben soll. Aber verzweifelte Menschen lassen sich durch solche Versprechen dazu verlocken, viel Geld auszugeben. Jeder hofft, dass vielleicht doch etwas an diesen (Werbe-) Versprechen wahr ist.

Keiner dieser Anbieter darf Heilung versprechen, weil keines dieser Mittel als Medikament zugelassen ist! Die wenigsten aber halten sich an dieses gesetzliche Verbot. Sie versuchen den verzweifelten Menschen einzureden, dass es „alternative“ Mittel und Therapien gibt, die besser sind als die Schulmedizin. Auch bei der Psoriasis. Sie berufen sich auf Einzelfälle, bei denen das Produkt geholfen haben soll und behaupten, „Wer heilt, hat Recht“.

Unsere langjährigen Erfahrungen mit solchen Sensationsmeldungen sind ernüchternd; manchmal sogar erschreckend, weil es immer wieder Anbieter gibt, die mit kriminellen Methoden arbeiten.

Was hat tatsächlich gewirkt?

Nehmen wir an, die geschilderten Erfolge sind wahr. Dann ist das für den Betroffenen wie ein Wunder, und wir freuen uns für jeden, der gesund geworden ist. Aber niemand weiß genau, ob es wirklich (nur) das Mittel war, das geholfen hat. Dazu müsste man eine seriöse Studie mit einer größeren Zahl von Patienten machen. Nur, wenn sich dieser Erfolg von unabhängigen Wissenschaftlern wiederholen lässt, handelt es sich nicht um einen Einzelfall. Diesen Beweis bleiben alle, aber auch wirklich alle Anbieter schuldig, die mit ihren sensationellen Heilerfolgen prahlen.

Manchmal "helfen" solche Mittel, weil man fest daran glaubt. Immer wieder zeigt es sich, wie beeinflussbar Menschen sein können. Da gibt man Kranken eine angebliche Wunderpille, die aber in Wirklichkeit keinerlei Wirkstoffe enthält. Trotzdem hilft sie bei einigen. So etwas nennt man einen "Placebo-Effekt". Unglaublich, aber wahr ist, dass einige Menschen wirklich so stark zu beeinflussen sind. So erklären sich Experten, weshalb an sich wirkungslose Mittel bei einigen Gutgläubigen anschlagen. Aber eben nicht bei allen, die das Produkt kaufen.

Fachleute weisen darauf hin, dass viele Kranke erst dann zu einem "Wundermittel" grei­fen, wenn sie schon völlig hoffnungslos sind. In dieser Lage klammert man sich manchmal verzweifelt an ein Versprechen und glaubt fest an das Mittel. Bei anderen hat die Krankheit schon ihren Höhepunkt überschritten. Medizinisch gesehen würde sie auch ohne Behandlung von allein zurückgehen. Neurodermitis z.B. geht bei den meisten nach der Pubertät allein wieder weg. Aber auch Psoriatiker stellen manchmal fest, dass ihre Hautstellen nach einiger Zeit zurückgehen, obgleich sie gar nichts dafür tun. Der Patient aber glaubt, das Mittel hätte ihm geholfen. Solange, bis die Psoriasis wieder ausbricht!

Kriminelle nutzen Verzweifelung aus

Erfolgsberichte sind nicht immer wahr, selbst wenn sie noch so eindrucksvoll geschildert werden. Wir haben Anbieter dabei ertappt, dass sie Personen als „geheilt“ vorgestellt haben, die nie in ihrem Leben Psoriasis hatten. Uns wurde ein Interferenzstromgerät zur Behandlung der Psoriasis an Händen und Füßen angeboten, das die unbedingt notwendigen technischen Werte überhaupt nicht erfüllen konnte. In mehreren Cremes und Salben war heimlich Kortison untergemischt. Kein Einzelfall ist das Produkt, für das die Barbara Herzsprung durch alle Fernsehshows und sämtliche Gesundheitsseiten der "Regenbogenpresse" tingelte. Sie stellte ein Mittel vor, das ein altes Geheimrezept eines indianischen Medizinmannes aus einem Kaktusextrakt sein sollte. Tatsächlich aber war darin Kortison enthalten und wirkte nur deshalb. Lüge, Betrug und manchmal Kortisonschädigungen, aber ein Bombengeschäft! Tausende verzweifelter Psoriatiker hatten für 100 g der Wundercreme über 50 Euro ausgegeben. Mehrmals, weil die Wirkung nachließ, wenn man das Mittel absetzte.

Aloe Vera

Andere der angepriesenen Wundermittel sind eher harmlos. So ist zum Beispiel Aloe Vera eine alt bekannte Heilpflanze und nach dem derzeitigem Wissensstand in der äußerlichen Anwendung unbedenklich. Aber trotz über enthaltener 200 Wirkstoffe ist Aloe Vera kein Wundermittel. Man kann es gut als Hausmittel zum Beispiel gegen juckende Insektenstiche oder kleinere Wunden anwenden. Aloe-Vera-haltiges Gel „heilt“ aber nicht dauerhaft eine Neurodermitis oder Schuppenflechte. Bei schweren Erkrankungen helfen weder Aloe Vera Kapseln noch deren Saft. Als Medikament gegen Hautkrankheiten sind sie wirkungslos! Aloe ist nur zugelassen als (starkes) Abführmittel. Deshalb sollte man den Aloe Saft innerlich nur kurze Zeit zu sich nehmen.

Nur begleitend zur Therapie verwenden

Lassen Sie sich von niemandem einreden, dass eines dieser Wundermittel die Schulmedizin ersetzen könne. Wer behauptet, etwas gefunden zu haben, das eine Krankheit „heilt“, darf das nur machen, wenn er sein Mittel als Medikament zulassen lässt. Ansonsten handelt es sich nach deutschem Recht um ein Nahrungsergänzungsmittel oder ein Kosmetikum. Ein Medikament muss wissenschaftlich beweisen, dass es tatsächlich wirkt und es muss zugelassen sein. Auf keinen Fall sollten Sie sich allein auf so ein Wundermittel zur Heilung ihrer Krankheit verlassen! Reden Sie mit Ihrem Arzt über das Mittel und bleiben Sie unbedingt bei der ärztlich verordneten Therapie. Als gesunde Ergänzung zur Ernährung ist gegen viele dieser „natürlichen Stoffe“ meist nichts einzuwenden - außer des oft völlig überhöhte Preises des Produkts.

Wir sind keine Anhänger von Pharmaprodukten. Es gibt natürliche Wirkstoffe und alternative Therapien, die eine leichte Schuppenflechte lindern können. Schon bei einer mittelschweren Psoriasis bewirken sie nach unserer Erfahrung selten etwas. Völlig klar, dass man nicht gleich die stärksten Pharma-Produkte nehmen will. Allen raten wir: Wenn möglich, behandeln Sie sich erst mit dem mildesten Wirkstoff, der für Psoriasis geeignet ist. Und der wird selten aus der Pharmafabrik kommen! Aber seien sie skeptisch, wenn ein Mittel gegen „fast alle“ Krankheiten dieser Welt helfen soll.

Wie jeder chronisch Kranke hoffen natürlich auch wir, dass es einmal ein Mittel geben wird, das uns heilt. Aber genau darauf spekulieren die Hersteller solcher ,,Alternativ"‑ Rezepturen. Sie hoffen darauf, dass wir verzweifelt genug sind, damit wir unkritisch, hoffnungsvoll und leichtgläubig unser Geld ausgeben. Jeder Psoriatiker ist schon einmal so verzweifelt gewesen, dass er einige hundert Euro für alternative Mittel, Trinkkuren oder Therapien ausgegeben hat. Meist vergeblich.

Kritisch prüfen

Wir wünschen natürlich jedem Psoriatiker, dass er sein Mittel findet, um seine Selbst­heilungskräfte zu mobilisieren, damit seine Krankheit sich bessert oder abheilt. Selbst, wenn es getrocknete Spinnen wären. Aber informieren Sie sich vorher ganz genau, was Sie da schlucken oder sich auf die Haut schmieren. Die Inhaltsstoffe sollten seriös deklariert sein, z.B. durch die Analyse eines objektiven Instituts, Labors oder des TÜV. Jedes Mineralwasser muss heutzutage solche Analysen vorweisen! Lassen Sie die Finger von Produkten, wenn ein Anbieter geheimnisvoll tut und sich weigert, die Bestandteile zu nennen. Selbst, wenn Sie wissen, woraus es besteht, bedenken Sie, dass es keine unbehandelten Wirkstoffe gibt. Selbst pflanzliche Stoffe aus unkontrollierten Quellen können Gifte enthalten. Was Wirkungen im Körper erzielt, hat auch meist Nebenwirkungen. Über die sollten Sie aufgeklärt werden. Wenn Ihnen eine sensationelle Therapie gegen Schuppenflechte angepriesen wird, informieren Sie sich darüber auch aus anderen, kritischen Quellen. Zum Beispiel auf www.Psoriasis-Netz.de oder in der Fachzeitschrift „PSO aktuell“. Sie können aber auch bei uns anrufen!

Vorsicht, wenn Patient zum Händler werden soll

Einige Vertreter bieten mehr an, als nur ein Mittel, das bei Schuppenflechte helfen soll: Wer bereit ist, für das Produkt weitere Käufer zu finden und es selbst zu vertreiben, kann zusätzlich Geld damit verdienen. Genau das sind die Praktiken, vor denen jede Verbraucherzentrale warnt. In einem Schneeballsystem sollen möglichst viele Menschen in den Vertrieb einbezogen werden, um überteuerte Produkte zu verkaufen und das finan­zielle Risiko auf die Wiederverkäufer abzuwälzen. Wenn außerdem für Informationsveranstaltungen Eintrittsgeld genommen wird, sollten auch bei Ihnen alle Warnsignale auf Rot stehen!

Es gibt viel berechtigte Kritik an der sogenannten Schulmedizin. Es gibt "alternative" Heil­methoden, die zu Unrecht schlecht gemacht oder nicht Ernst genommen wurden. Aber seien Sie misstrauisch, wenn Ihnen jemand etwas verkaufen will! Oder glauben Sie sonst auch alles, was in der Werbung behauptet wird?

Unser Fazit:

Es gibt Menschen, deren Schuppenflechte spontan verschwindet. Es gibt Mittel, die bei einigen, wenigen Psoriatikern dazu führen, dass sie völlig erscheinungsfrei oder sogar geheilt sind. Aber das sind und bleiben Einzelfälle. Für uns normale ,,Schuppies" gibt es kein Wundermittel. Wir sollten uns darauf einstellen.

10 typische Merkmale, an denen Sie Quacksalberei erkennen können, finden Sie beim arzneitelegramm.

 
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